Malerei · Berlin Painting · Berlin
Zuerst das Zuhören. Dann die Setzung. First, listening. Then the mark.
Der Kern meiner Arbeit war und ist die Farbe. Jahrelang habe ich sie in strenge Strukturen gefasst. Jetzt lasse ich sie frei. Sie folgt ihrem eigenen Willen — und ich folge ihr.
Die Arbeit beginnt mit einer Wahrnehmung, die sich schwer erklären lässt. Ein Punkt im Raum. Eine Farbe, die drängt. Ein Körpergefühl, das nach Form sucht. Was entsteht, bewegt sich zwischen Kosmos und Körper — Zellen, die wie Sterne aussehen, Wolken, die atmen wie Organismen, Netze, die Beziehung sichtbar machen. Ein Resonanzraum. Das ist keine Metapher, sondern eine Erfahrung.
Der Prozess folgt einem inneren Rhythmus — Setzung, Pause, Reaktion. Nicht als Methode, sondern als Haltung: Zuhören vor dem Eingreifen.
Was mich trägt, ist eine Frage: Was bleibt, wenn die strengen Strukturen zerfallen — Familie, Religion, die eigene Härte? Postreligiös. Einkehr ohne Kloster. Hinterglas ohne Kirche. Votivform ohne Heilige. Die Hülle bleibt, der Inhalt ist fort, und etwas Neues siedelt sich darin an.
Marcus Lichtmannegger wurde bei Sean Scully an der Akademie der Bildenden Künste München ausgebildet. Er lebt und arbeitet in Berlin und Trebnitz.
Colour was and remains the core of my work. For years I held it in strict structures. Now I let it go free. It follows its own will — and I follow it.
The work begins with a perception hard to explain. A point in space. A colour that presses forward. A bodily sense searching for form. What emerges moves between cosmos and body — cells that look like stars, clouds that breathe like organisms, nets that make relation visible. A space of resonance. This is not a metaphor, but an experience.
The process follows an inner rhythm — mark, pause, response. Not as method, but as attitude: listening before intervening.
What carries me is a question: what remains when the strict structures fall away — family, religion, one's own hardness? Postreligious. Retreat without monastery. Reverse glass without church. Votive form without saints. The shell remains, the content is gone, and something new settles within it.
Marcus Lichtmannegger trained under Sean Scully at the Akademie der Bildenden Künste München. He lives and works in Berlin and Trebnitz.
Arbeitsweise Method
Setzung → Pause → Reaktion → Störung → Entscheidung Mark → Pause → Response → Disruption → Decision
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